· 

Reden ohne Worte: Die drei Ebenen der Körpersprache

Körpersprache ist wie Reden ohne Worte. Jeder versteht sie, doch nur wenigen ist sie wirklich bewusst.

 

Die meisten Menschen kennen den Begriff der Körpersprache nur in Anlehnung an unsere Haltung und unser Auftreten.

Menschen mit gebückter Haltung haben selbstverständlich eine andere Wirkung auf uns als Personen, die mit aufrechtem Gang und geradem Rücken auf uns zukommen.

Genauso wissen wir, dass ein Lächeln Türen öffnen und ein verbissenes Gesicht dagegen Türen verschließen kann.

 

Von Paul Watzlawick, dem bereits verstorbenen österreichisch-amerikanischen Kommunikationswissenschaftler, Soziologe, Philosoph und Psychotherapeut, stammt der weltbekannte Satz:

'Man kann nicht nicht kommunizieren',

 

womit er von der unausgesprochenen Kommunikation des Körpers sprach, wenn wir in Beziehung zueinander oder eben nicht zueinander stehen.

 

Unser Körper spricht. Deutlich. Er zeigt anderen Menschen ziemlich genau, wie es uns geht, welche Verbindung wir haben und wie wir uns fühlen.

 

Für hochsensible Personen ist die Körpersprache einer der Richtungsgeber zur Einschätzung anderen Mensch, einzelner Situationen und Beziehungen. Oft lesen sie unbewusst im Ausdruck des anderen und wissen dennoch mit ziemlicher Genauigkeit, welche Botschaft jener Ausdruck für sie birgt und reagieren mit großer Empathie und Feinfühligkeit darauf.

 

Meiner Erkenntnis nach, spricht Körpersprache jedoch auf drei Ebenen:

  1. Unser Körper drückt sich anderen gegenüber aus
  2. Unser Körper spricht mit uns selbst
  3. Auf der Ebene der Physiognomie weist unser Körper, vor allen unser Gesicht
     uns und andere auf Lebensthemen, Herausforderungen und Potentiale hin

Zu 1:

Was unser Körper anderen sagt, habe ich auch weiter oben schon kurz angesprochen:

  • Unsere Körperhaltung
  • unsere Mimik
  • die Bewegung unserer Arme und Hände
  • die Haltung unseres Oberkörpers und die unserer Beine

gibt anderen Hinweise auf unseren momentanen Stand der Beziehung zu ihnen, unseren Energie- und Krafthaushalt, unsere Gefühlslage, unsere innere An- oder Entspannung.

 

Wichtig ist an dieser Stelle:

 

Es ist der momentane Stand des Körperausdrucks und dieser Stand darf auch einfach so sein. Wir sind nicht verpflichtet, ihn zu ändern!

 

Gerade HSP mit ihrem ausgeprägtem Gespür für die Stimmungs- und Gefühlslagen anderer Menschen haben einen Hang dazu, gefühlte Diskrepanzen oder Ungleichgewichte unmittelbar ausgleichen zu wollen. Nicht selten tun sie dies, weil sie aus - vermutlich in der Kindheit - gemachter Erfahrung innerlich darauf trainiert sind, Disharmonien auszugleichen und - nicht selten genug - sich selbst für fehlende Harmonien verantwortlich machen.

 

Dennoch gibt diese Form der Körpersprache uns darüber hinaus auch die Chance, Situationen, Vorhaben und Entscheidungen in Verbindung mit unserem Gegenüber besser einzuschätzen und abzuwägen. 

Durch sie wissen wir u. a.

  • wann es besser ist, mit einer Bitte noch einen Moment zu warten
  • wer uns offen gegenüber ist und zugewandt
  • ob unser Gegenüber kontaktfreudig oder eher schüchterner Natur ist
  • jemand gerade traurig, fröhlich, konzentriert, entspannt oder angespannt, nachdenklich, wütend, verärgert oder verliebt ist.

  

Zu 2:

Unser Körper ist im Dialog mit uns selbst.

Die besonders wertvolle, doch viel zu häufig vernachlässigte, Ebene der Körpersprache ist jene, bei der der Körper zu uns selber spricht.

Er tut dies ständig, doch meist hören wir nicht hin. Unser Körper gibt uns selbst Hinweise auf unser vorhandenes oder aber leider abhanden gekommenes Wohl-Sein in unserem Leben.

Er tut dies durch unsere Körperreaktionen, unsere (Bauch-)Gefühle, durch Schmerz oder - in der letzten Stufe - durch Erkrankung.

 

Weichen wir von unseren persönlichen, uns entsprechenden und stärkenden  (Verhaltens-)Wegen ab,  sendet unser Körper unmittelbare Rückmeldungen.

 

Leicht zu erkennen ist dies, wenn wir zu viel von etwas essen oder trinken, dass uns nicht bekommt. Bei mir selbst sind dies beispielsweise

  • Michprodukte
  • Glutenprodukte
  • Kaffee
  • Zucker
  • Alkohol

Der Körper fühlt sich schlecht damit und meldet:

 

'Bitte dies besser nicht nochmal oder in geringeren Mengen!'

 

Diese Meldungen erfolgen in der ersten Stufe im Körper - meist im Magen oder Darm, bei Alkohol oder Kaffee auch durch Schmerz oder Schwindel im Bereich des Kopfes oder einen erhöhten Puls. In späteren Stufen spüren wir diese Substanzen dann auch in den Gelenken, unseren Nerven oder sehen die Auswirkungen sichtbar auf der Haut.

 

Bei ständig und immer wiederkehrenden körperlichen Symptomen, ist es klug, sich die Symbolsprache der Symptome oder Erkrankungen anzuschauen. Rüdiger Dahlke hat hierzu interessante Bücher zum Thema geschrieben.

  • 'Krankheit als Symbol' und
  • 'Krankheit als Weg'

sind Klassiker geworden.

 

Doch auch ohne irgendein Buch kennen und benutzen Sie diese Symbolsprache des Körpers!

 

Vielleicht kommen Ihnen die folgenden Redewendungen bekannt vor:

  • 'Ich hab' die Nase voll'
  • 'Das sitzt mir im Nacken'
  • 'Das schlägt mir auf den Magen'
  • 'Mir ist eine Laus über die Leber gelaufen'
  • 'Da kommt mir die Galle hoch'
  • 'Das geht mir an die Nieren'
  • 'Ich mache mir ständig einen Kopf'
  • 'Der / Die nimmt mir die Luft'
  • 'Das belastet mich'
  • 'Das bricht mir das Herz'
  • 'Damit fühle ich mich hilflos oder ohnmächtig'
  • 'Das macht mich sprachlos'
  • 'Das will ich nicht sehen, wissen, hören'
  • 'Das geht mir auf die Nerven'

Sollten auch Sie sich immer mal wieder solcher Redewendungen bedienen, schauen Sie doch einmal genauer hin, ob Sie Körperungleichgewichte oder Erkrankungen in diesem Zusammenhang bei sich feststellen können.

 

Das ist kein Zufall und vom Körper als Hinweis an Sie so gewollt!

Ihr Körper bittet Sie um eine Veränderung.

 

Schwieriger wird es, wenn wir uns auf anderen Ab- oder Umwegen befinden, die uns nicht entsprechen und emotionales Unwohlsein in uns hervorrufen. Unsere Intuition meldet sich und unser Bauchgefühl meldet unmittelbar:

  • 'Bitte nicht weitergehen.'
  • 'Besser Finger weg!'
  • 'Verabredung beenden und lieber nach Hause gehen.'
  • 'Das entspricht dir nicht.'
  • 'Dieses Umfeld wird dir nicht gut tun.'
  • 'Das brauchst du nicht glauben, das stimmt so nicht.'
  • 'Sag' lieber 'nein' und denk' mal an dich'

Hören wir nicht drauf, ärgern wir uns später. Kennen alle!

 

Zu 3:

Unsere Physiognomie und unsere Konstitution zeigt uns:

 

Wir alle bringen ins Leben bereits etwas mit.

 

Merkmale in unserem Gesicht und unserem Körperbau  geben sehr deutliche Hinweise auf unsere Verhaltens-weise, unseren Charakter und unsere Wesensarten.  

Die Filmindustrie macht sich diese Zeichen seit jeher zu nutze und sucht Schauspieler entsprechend dieser Merkmale aus, um Filmrollen zu besetzen.

 

Diese Zeichnungen beziehen sich auf:

  • unsere Gesichts- und Kopfform
  • die Lage und den Stad unserer Augen und Augenbrauen
  • die Form des Mundes
  • und auch der Nase
  • die Lage der Ohren
  • die Form des Kinns
  • aber auch der Stirn
  • die Körpergröße
  • und die Körperform

Diese Merkmale lassen uns bewusst oder unbewusst erkennen, wie wir selber sind und was unser Gegenüber mitbringt. Das für mich eindrucksvollste Beispiel:

 

Hoch sitzende Augenbrauen signalisieren uns in der Regel, dass

  • jemand mehr Raum für sich braucht
  • diese Person im Kontakt zu anderen Sicherheit, Zeit und einen gewissen Abstand benötigt,
  • wir eine Person vor uns haben, die zögerlich ist, den ersten Schritt zu machen
  • in Gesprächen häufig eine gewisse Distanz spürbar sein wird

Wichtig ist mir:

Jedes Merkmal bringt seine Stärken und seine Herausforderungen mit sich!

Und:

Ein jedes ist vollkommen ok und wichtig für Lernprozesse in unserem Leben!

 

Wie Sie sehen ist Körpersprache ein unglaublich spannendes und weites Feld. Unser Körper ist für mich eines der größten Wunder! Lassen Sie sich für die kommende Woche doch einfach mal ein bisschen mehr auf dieses Wunder ein.

 

Hören Sie und schauen Sie hin.

 

Was sagt er Ihnen selbst und was meldet Ihnen der Körper Ihres Gegenüber?

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0